Das zweite Seminar

Molo!
Die Zeit hier vergeht einfach viel zu schnell, und grade in den letzten Wochen ist wieder so einiges passiert. Unser zweites und damit letztes Seminar hat letzte Woche stattgefunden, bei dem dieses Mal auch Julia, also unsere Ansprechpartnerin aus Deutschland dabei war. Diese Chance haben Britta und ich direkt genutzt und haben mit ihr ein weiteres Mal über unsere Situation an der Berlin Primary geredet, damit wir möglicherweise für die nächsten Generationen etwas verändern können. Sonst haben wir die Zeit hauptsächlich damit verbracht, die Hand Over Dokumente für unsere Nachfolger auszuarbeiten und ihnen eine kleine Videobotschaft zu drehen, da sie bald schon erfahren, wo genau sie hinkommen werden. Das ist natürlich nicht nur für sie, sondern auch für uns total aufregend, gleichzeitig jedoch auch etwas surreal, da wir ja noch fast 6 Monate hier haben und unsere Zeit selber noch gut nutzen wollen. Sich dann schon damit auseinander zu setzen, dass die Nächsten quasi schon in den Startlöchern sind ist irgendwie ein komisches Gefühl. Aber auch der Spaß sollte nicht zu kurz kommen, also haben wir in Kleingruppen mehrere Spiele erfunden und diese dann im Laufe des Seminars alle getestet, um ein bisschen neue Inspiration für den Sportunterricht zu bekommen. Außerdem haben wir wieder eine Wanderung durch das Game Resort unternommen und sind am ersten Nachmittag Kajak gefahren. Mein persönliches Highlight war das Gespräch über die UN 2030 Agenda, die sich mit Nachhaltigkeit und dem Erhalt unserer Welt auseinandersetzt. Dort habe ich dann auch direkt meine bisherigen Studienpläne wieder verworfen, aber bis zur Bewerbungsfrist ist ja zum Glück noch ein bisschen Zeit. Thematisiert wurde unter anderem auch die Gleichberechtigung, die hier noch wesentlich weniger weit fortgeschritten ist als in Deutschland. Der Job der Frau ist es beispielweise immer noch, für den Mann zu kochen und sich um die Kinder zu kümmern, während der Mann oft große Freiheiten genießen kann. Gleich am nächsten Tag habe ich beim Joggen dann einen Mann gesehen, der seine Frau/ Freundin geschlagen hat, ich konnte aber nicht eingreifen, ohne mich selber zu gefährden und außer mir hat sich niemand wirklich dafür interessiert, da es von vielen als ganz normal angesehen wird. Ich versuche zum Teil schon, den Mädels auch andere Ansichten zu zeigen, aber da dieses Denken wirklich tief in der Gesellschaft verwurzelt ist, ist dies nicht immer möglich.
In der Schule wurden Bilder von allen Schülern (und leider auch Britta und mir) gemacht, sodass während dieser Zeit der Sportunterricht etwas unregelmäßig war, jetzt läuft aber alles wieder seine Bahnen und so langsam werden auch die ganzen Klassenarbeiten vor den Ferien geschrieben, die schon in 2 Wochen anstehen. Letzte Woche waren 2 Vertreter der südafrikanischen Verkehrskontrolle an der Schule und haben einen Vortrag über Sicherheit im Straßenverkehr gehalten, was grade für die jüngeren Kinder sehr wichtig ist, da viele Grundlagen nicht wirklich von den Eltern vermittelt werden. Dort wurde ihnen also beigebracht, wie man sicher die Straße überqueren kann, dass man sich im Auto immer anschnallen sollte und welche verschiedenen Verkehrsschilder es gibt. Von einigen Lehrern wurde mir schon über schwere Unfälle berichtet, die definitiv hätten vermieden werden können, wenn zum Beispiel keine Kinder hinten auf einem Pickup gesessen hätten oder mehr auf die Kinder geachtet worden wäre. Auch zu Beginn unserer Zeit hier wurde ein Kind der Nkosinathi in einen schweren Unfall vor der Schule verwickelt, an dessen Folgen es dann später gestorben ist. Solche Ereignisse, die hier leider nicht nur Einzelfälle sind, zeigen, dass eine gute Grundlagensicherung für den Straßenverkehr wirklich wichtig und in gar keinem Fall zu vernachlässigen ist.
Was den Unterricht an der BPS angeht haben sich die Änderungen als sehr positiv für mich erwiesen. Mrs Wesson ist jetzt wesentlich weniger häufig im Unterricht anwesend, was mir und Britta die Möglichkeit gibt, viele neue Dinge, wie das Unterrichten in den „Hollywoods“, einem kleinen Spielplatz auf dem Schulhof oder das Nutzen von Hula-Hoops auszuprobieren und wesentlich mehr Eigeninitiative zu entwickeln. So konnte ich auch die Kinder der ersten Klasse ein Geburtstagslied für meinen Opa singen lassen, was sowohl ihn als auch die Kinder gefreut hat, da diese liebend gerne über mein Handy mit meiner Familie oder Freunden kommunizieren.
Das letzte Wochenende war mit Abstand das stressigste bisher in Südafrika. Am Freitag war an der Berlin Primary School ein schulinterner Athletics Wettbewerb, wo Britta, ich und auch die anderen Freiwilligen helfen sollten. Alle älteren Schüler waren den ganzen Tag beschäftigt, die Kinder aus den Klassen 1 bis 3 hatten jedoch nur früh morgens Programm, weshalb wir diese dann den restlichen Vormittag beschäftigen sollten. Dafür haben wir 6 Stationen, von Eierlauf über Stopptanz bis Sackhüpfen gestaltet, die die 6 Klassen dann in je 20 min abarbeiten sollten. Aufgrund des großen Zeitverzuges hatten wir am Ende leider nur eine Stunde Zeit, weshalb wir unseren Zeitplan nicht einhalten konnten, die Kinder hatten aber trotzdem viel Spaß und am Ende haben wir denen, die am besten abgeschnitten haben, sogar kleine Preise gegeben und Urkunden für sie erstellt. Samstag ging es dann direkt weiter mit einem Soccer Turnier, für das ich um 5 Uhr aufstehen musste, um einen der Spieler von zuhause abzuholen. An sich war ich nur als Begleiterin dabei, aber da alle anderen aus der WG am Wochenende krank geworden sind, stand ich am Ende mit den Ilitha Boys da und musste diese nach Hause bringen. Bei dem Turnier selbst hatten alle riesigen Spaß, und auch wenn am Schluss keine von den 3 Berlin-Teams im Finale standen, war es dennoch ein echt gelungenes Ereignis. Grade die Tatsache, dass viele der Kinder noch nie in East London waren und sogar eine Übernachtung in der Hall der A.W. Barnes ermöglicht wurde, hat es für viele zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Ich hoffe, dass ich auch mit meinen Soccer Girls irgendwann bei einem solchen Turnier teilnehmen kann und trainiere bis dahin weiter fleißig mit ihnen. Am Sonntag sind wir dann alle vollkommen übermüdet wieder in Berlin angekommen und versuchen uns seitdem, von diesem Wochenende zu erholen.
Ganz liebe Grüße, eure Lina

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